Wer heute Kaffee kauft, begegnet überall denselben Begriffen: nachhaltig, fair, regional, klimafreundlich oder umweltbewusst. Fast jede Rösterei wirbt mit ähnlichen Aussagen. Das macht es für Kundinnen und Kunden schwierig, Unterschiede zu erkennen.
Auch wir werden immer wieder gefragt, was uns eigentlich von anderen Röstereien unterscheidet. Manchmal hören wir sogar die Aussage: «Ihr seid wahrscheinlich die nachhaltigste Rösterei der Schweiz.»
Ob das tatsächlich so ist, können und wollen wir nicht mit Sicherheit behaupten. Was wir aber sagen können: Wir hinterfragen jede Entscheidung in unserem Betrieb darauf, wie sie nachhaltiger umgesetzt werden kann. Nicht alles ist bereits perfekt, aber wir versuchen jeden Tag, einen Schritt weiterzugehen.
Für uns beginnt Nachhaltigkeit nicht mit der Verpackung und endet auch nicht beim fertigen Kaffee. Sie beginnt dort, wo eine Kaffeepflanze ihre Wurzeln in den Boden schlägt. Deshalb stammt jeder Kaffee, den wir rösten, aus biologischem Anbau. Unsere Rohkaffees beziehen wir aus Mexiko, Guatemala, Brasilien, Kolumbien, Tansania und Äthiopien. Alle Kaffees sind bis zur jeweiligen Kooperative rückverfolgbar und erfüllen die EU-Bio-Standards. Gleichzeitig beziehen wir ausschliesslich Specialty Coffee mit mindestens 80 Punkten. Nachhaltigkeit und Qualität gehören für uns untrennbar zusammen.
Auch in der Rösterei selbst versuchen wir, Verantwortung zu
übernehmen. Die Räumlichkeiten werden mit Solarstrom von der Photovoltaikanlage
auf unserem Dach betrieben. Die Röstmaschine selbst wird jedoch mit Gas
beheizt. Das hat einen einfachen Grund: Gas erlaubt bei Trommelröstmaschinen
bis heute die präziseste Steuerung der Röstkurve und damit eine konstant hohe
Qualität. Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht, etwas schöner darzustellen,
als es ist. Sie bedeutet, dort nachhaltige Lösungen einzusetzen, wo sie heute
technisch sinnvoll und wirtschaftlich möglich sind.
Besonders stolz sind wir auf unser Mehrwegsystem. Ein
grosser Teil unseres Kaffees wird an Geschäftskunden in wiederverwendbaren
Mehrwegfässern geliefert. Die Fässer bleiben über viele Jahre im Einsatz und
ersetzen unzählige Einwegverpackungen. Allein in den ersten sieben Jahren
unserer Rösterei konnten wir dadurch rund 150’000 Kaffeebeutel einsparen.
Wahrscheinlich gibt es keine einzelne Massnahme in unserem Betrieb, die einen
grösseren Einfluss auf die Abfallvermeidung hatte.
Natürlich gibt es auch Kundinnen und Kunden, für die Mehrweg
heute nicht praktikabel ist. Deshalb verwenden wir für einen Teil unseres
Sortiments hochwertige Beutel aus recyclebarem Monokunststoff. Uns ist bewusst,
dass Kunststoff auf den ersten Blick nicht nach der nachhaltigsten Lösung
klingt. Bei Kaffeeverpackungen zählt jedoch nicht nur das Material, sondern
auch die Haltbarkeit des Kaffees. Die Verpackung schützt den Kaffee zuverlässig
vor Sauerstoff, Licht und Feuchtigkeit. Das Aromaventil lässt das nach dem
Rösten entstehende CO₂ entweichen, ohne Sauerstoff eindringen zu lassen, und
der ZIP-Verschluss sorgt dafür, dass der Kaffee auch nach dem Öffnen möglichst
lange frisch bleibt. Nach Gebrauch können die Beutel über die
Kunststoffsammlung recycelt werden.
Nachhaltigkeit zeigt sich oft in den kleinen Dingen, über
die kaum jemand spricht. Während des Röstens lösen sich feine Häutchen von den
Bohnen. Diese sogenannten Chaffs landen bei uns nicht im Abfall, sondern werden
von einem benachbarten Biobauern als Dünger eingesetzt. Unsere Jutesäcke
erhalten ebenfalls ein zweites Leben. Ein Teil wird von Samichläusen
weiterverwendet, ein anderer von einem Hersteller, der Holzpellets produziert
und die Säcke als Verpackung nutzt.
Auch der übrige Abfall wird konsequent getrennt. Karton,
Metall, PET, Kunststoff und Sonderabfälle werden fachgerecht recycelt.
Tatsächlich produzieren wir so wenig Restmüll, dass wir die Anzahl Müllsäcke,
die jährlich in der Kehrichtverbrennung landen, an einer Hand abzählen können.
Da Kaffee nicht in der Schweiz wächst, gehört auch der
Transport zur Gesamtbetrachtung. Unsere Rohkaffees gelangen per Seefracht nach
Europa – die effizienteste Transportart für interkontinentale Waren. Innerhalb
der Schweiz liefern wir entweder auf unseren eigenen Touren oder über unseren
Logistikpartner Planzer. Auch hier versuchen wir, Transporte sinnvoll zu
bündeln und unnötige Fahrten zu vermeiden.
Heute rösten wir rund 15 Tonnen Bio-Kaffee pro Jahr. Damit
gehören wir weiterhin zu den Mikroröstereien. Gleichzeitig wachsen wir seit
unserer Gründung jedes Jahr um rund 30 Prozent. Für uns bedeutet dieses
Wachstum weit mehr als wirtschaftlichen Erfolg. Jede zusätzliche Tonne
biologisch angebauten Kaffees ersetzt ein Stück konventionell produzierten
Kaffee und stärkt Produzentinnen und Produzenten, die sich bewusst für
nachhaltige Landwirtschaft entschieden haben.
Sind wir also die nachhaltigste Kaffeerösterei der Schweiz? Vielleicht.
Vielleicht auch nicht. Entscheidend ist für uns etwas anderes. Wir möchten
jeden Tag Entscheidungen treffen, die wir auch in zehn oder zwanzig Jahren noch
vertreten können. Nicht weil Nachhaltigkeit gerade gefragt ist, sondern weil
wir überzeugt sind, dass Unternehmen Verantwortung übernehmen sollten.
Lüs Gedanke zum Schluss
Ich glaube nicht, dass Nachhaltigkeit jemals abgeschlossen
ist. Es gibt immer etwas, das man verbessern kann. Vielleicht wird unsere
Röstmaschine eines Tages nicht mehr mit Gas betrieben. Vielleicht finden wir
irgendwann eine Verpackung, die noch nachhaltiger ist als unsere heutige
Lösung. Vielleicht entstehen neue Transportmöglichkeiten oder neue Formen der
Zusammenarbeit mit unseren Produzenten. Wichtig ist für mich nicht, perfekt zu
sein. Wichtig ist, ehrlich zu bleiben und den Mut zu haben, den nächsten
Schritt zu machen. Genau das versuchen wir bei Lü’s Bio Rösterei – jeden Tag.